Und bei dir selbst?
Da gibt es plötzlich ziemlich gute Gründe, noch einmal darüber nachzudenken.
Bewusstseinsarchitektur · Julia Lauer
Für Frauen, die andere professionell begleiten.
Du willst Nein sagen.
Und hörst dich Ja sagen.
Die interessantere Frage ist:
Wer hatte da gerade eigentlich das Sagen?
14:12 Uhr.
Eine Anfrage kommt rein.
Dein Kalender ist voll.
Eigentlich ist die Antwort klar.
14:14 Uhr.
Du hast inzwischen drei sehr vernünftige Gründe gefunden, warum es vielleicht doch gehen könnte.
14:16 Uhr.
Kalender offen.
Natürlich nur mal gucken.
Du merkst ziemlich genau, was du da gerade machst.
Bei einer Klientin würdest du wahrscheinlich sagen:
„Du verhandelst gerade dein eigenes Nein weg.“
Und bei dir selbst?
Da gibt es plötzlich ziemlich gute Gründe, noch einmal darüber nachzudenken.
Das ist keine Abwertung deines Wissens.
Im Gegenteil.
Du kannst sehr viel wissen.
Dich seit Jahren reflektieren.
Die Dynamik erkennen.
Den passenden Fachbegriff kennen.
Und trotzdem kommt dieser eine Satz:
„Ich weiß das doch eigentlich.“
Kenne ich.
Ich habe mein eigenes Verhalten schon hervorragend analysiert, während ich es weitergemacht habe.
Verstanden ist nicht dasselbe wie verfügbar.
Vielleicht fehlt dir an dieser Stelle also gar keine weitere Erkenntnis.
Vielleicht erwarten wir vom Verstehen manchmal etwas, das es gar nicht leisten kann.
Du kannst Verantwortung übernehmen und die Stimmung in einem Raum auffangen.
Das können ziemlich gute Fähigkeiten sein.
Wenn du allerdings auch dann übernimmst, wenn du es gerade gar nicht möchtest, wird die Frage interessant: Kannst du anders?
Du darfst Verantwortung übernehmen. Und sie bei jemand anderem lassen.
Selbstermächtigung heißt: wählen können.
Es geht nicht nur darum, dass etwas aufhört.
„Ich will mich nicht mehr ständig rechtfertigen.“
„Ich will Entscheidungen nicht zehnmal prüfen.“
Sondern darum, was dir in derselben Situation stattdessen zur Verfügung stehen soll.
Vielleicht erklärst du eine Entscheidung einmal. Und nicht dreimal.
Vielleicht holst du dir Unterstützung, bevor du fast alles allein gelöst hast.
Entscheidend ist, was davon noch da ist, wenn es darauf ankommt.
Wenn jemand deine Entscheidung nicht gut findet.
Wenn dir niemand bestätigt, dass sie richtig ist.
Wenn du keine Zeit hast, erst noch einmal alles mit dir selbst auszudiskutieren.
Wie möchtest du dann reagieren?
Und dabei muss die Antwort nicht auf das begrenzt sein, was du bisher von dir kennst.
Nur eines sollte sie sein:
wirklich deine.
In meinen Sitzungen arbeiten wir mit dem, was bewusst oder unbewusst noch mitentscheidet.
Wir klären, wie du in einer konkreten Situation denken, fühlen oder handeln möchtest. Dafür nutze ich Zentrum als Arbeitsmodell.
Du darfst einen beschissenen Tag haben.
Du darfst genervt sein.
Du darfst drei Kaffee trinken, obwohl du eigentlich mehr Wasser trinken wolltest.
Und manchmal war es tatsächlich einfach Kaffee.
Nicht jede Reaktion braucht eine tiefere Erklärung.
Anders sieht es aus, wenn du immer wieder an derselben Stelle landest, obwohl du längst etwas anderes möchtest.
Wo aus ‚heute war halt so ein Tag‘ irgendwann wird:
Warum passiert mir das eigentlich immer wieder?
Dann lohnt es sich hinzuschauen.
Tiefe, wenn Tiefe nötig ist. Ansonsten: Leben.
Dienstagmorgen.
Nicht daran, wie beeindruckend die Sitzung war.
Nicht daran, wie viel du erkannt hast.
Und auch nicht daran, ob wir beide anschließend ehrfürchtig in die Kamera gucken.
Sondern wenn das Leben wieder da ist.
Die Anfrage kommt.
Deine Mutter ruft an.
Jemand findet deine Entscheidung blöd.
Die Nachricht ist geschrieben.
Du willst etwas.
Du willst etwas nicht.
Und etwas läuft anders.
Das Nein bleibt stehen.
Die Nachricht geht raus.
Du triffst die Entscheidung und musst sie später nicht noch einmal komplett neu verhandeln.
Oder du stellst irgendwann fest:
„Ach. Das war heute gar kein Thema.“
Genau dort muss Veränderung ankommen:
in deinem Leben.
Denn wenn du nicht mehr dieselbe Runde drehen musst, entsteht Platz.
Nicht für die nächste Selbstoptimierungsaufgabe.
Für dein Leben.
Für die Entscheidung, die du einfach triffst.
Für den Nachmittag, den du nicht mit Nachdenken verbringst.
Für das Gespräch, nach dem du nicht noch zwei Tage innerlich weiterdiskutierst.
Für etwas, das du möchtest, obwohl du keine PowerPoint mit fünf vernünftigen Gründen dafür vorbereitet hast.
Vielleicht sogar für etwas, das du bisher überhaupt nicht auf dem Schirm hattest.
Und damit sind wir bei der Frage, die mich seit Jahren verfolgt:
Was ist alles möglich?
Nicht als Versprechen.
Als Frage.
Eine ziemlich gute, finde ich.
Und irgendwo genau da beginnt für mich Bewusstseinsarchitektur.
Tja.
Für mich hängt das ziemlich logisch zusammen.
Beim Ballett habe ich früh erlebt:
Du kannst eine Bewegung verstanden haben.
Dein Körper kann sie deshalb noch lange nicht.
In mehr als zwanzig Jahren ALL-AACHT-Kampfkunst und Körperarbeit wurde die Frage noch interessanter:
Was ist tatsächlich verfügbar, wenn es darauf ankommt?
Und die Informationswissenschaft?
Die Frau in mir, die Dinge gerne sortiert, Zusammenhänge sucht und wissen möchte, wie etwas aufgebaut ist, musste ja irgendwo herkommen.
Heute bringe ich diese Welten zusammen.
Mit einer Sache bin ich allerdings vorsichtiger geworden:
Ich will dir nicht erzählen, was in dir steckt.
Mich interessiert viel mehr, was passiert, wenn du selbst herausfindest, was für dich stimmt.
Kein echtes.
Obwohl ich gegen echte Bücher grundsätzlich wenig einzuwenden habe.
In deiner inneren Bibliothek geht es um etwas anderes:
Welche alten Sätze stehen bei dir noch griffbereit?
Welche davon dürfen ins Archiv?
Und was möchtest du stattdessen dort finden, wenn das echte Leben kommt?
Zieh ein Buch.
Schau, was heute noch mitredet.
Und entscheide selbst, was damit passieren soll.
5–10 Minuten.
Kostenlos.
Und niemand ruft dich danach überraschend an.
Du musst noch nicht wissen, was du brauchst.
Meine Arbeit ist keine Psychotherapie und ersetzt keine medizinische oder psychotherapeutische Behandlung.